Das Gespensterauto von Hellerau (3/3) - der Weg ins Museum

Foto Maria Niklaus

Maria Niklaus
Kustodin Straßenverkehr
Kustodin Luftfahrt

ist ein Trabant P601 L. Dieser Elektro-Trabant ist ein frühes Beispiel für individuelle Elektromobilität gegen Ende der 1960er Jahren in der DDR.

Anfang der 1990er-Jahre baute Dr. Schulze den zweiten Trabant mit Solardach auf. Hier im Dresdner Stadtverkehr zu sehen.
Anfang der 1990er-Jahre baute Dr. Schulze den zweiten Trabant mit Solardach auf. Hier im Dresdner Stadtverkehr zu sehen. (© Familie Schulze - http://www.solarmobil.net/vereine/dresden/Trabi.htm)

Der zweite Elektro-Trabant

Mit über 55.000 km Laufleistung war 1993 schließlich aufgrund von Karosserieverschleiß Schluss. Nachdem die erste Version stillgelegt werden musste, war dies jedoch nicht das Ende des „Gespensterautos von Hellerau“, Dr. Schulze modifizierte einen zweiten Trabant zu einem Elektroauto. Dieses im Museum von 16.05. bis 03.07.2023 gezeigte Fahrzeug erhielte einen einfacheren und leichteren Elektromotor (einen Scheibenläufer-Asynchronmotor) sowie eine elektrische Steuerung (anstelle einer mechanischen Schaltwalze).

Bei seinem zweiten Trabant mit modernerer Technik legte Dr. Schulze vor allem viel Wert auf eine Gewichtsreduzierung zur Optimierung der Reichweite. Seine minutiös geführte Liste zeigt seinen wissenschaftlichen Hintergrund als Chemiker.
Bei seinem zweiten Trabant mit modernerer Technik legte Dr. Schulze vor allem viel Wert auf eine Gewichtsreduzierung zur Optimierung der Reichweite. Seine minutiös geführte Liste zeigt seinen wissenschaftlichen Hintergrund als Chemiker.

Man sieht die Versuche der Gewichtsreduktion zur Reichweitenverbesserung direkt am Fahrzeug, welches im Moment im Lichthof des Verkehrsmuseums zu bestaunen ist. Zu sehen sind unter anderem folgende Modifikationen:

  • Ersetzen des schweren Außenspiegels durch einen Aluminiumaußenspiegel
    = Gewichtsreduktion von 70g
  • Entfernen der Abschleppöse
    = Gewichtsreduktion von 70g
  • Änderung des Motorhauben-Verschlusses
    = Gewichtsreduktion von 160 g
  • Ausbohrung des Trabant-Getriebes
    = Gewichtsreduktion von 100g
  • Stoßstange ausgetauscht durch „Kohlefaserstab“ (hier die Skistöcke an der hinteren Stoßstange)
    = Gewichtsreduktion von 1500g

Insgesamt wurde der zweite Elektro-Trabant so um 24 kg und 625 g leichter.

Beim zweiten Trabant fällt vor allem die Solarzellen, die prominent oben auf dem Fahrzeug angebracht wurden, ins Auge. Das Solardach zeigt die ersten Versuche einer nachhaltigen, direkten Nutzung von Sonnenenergie für das Automobil. Als ein Vorreiter der Elektromobilität wollte Herr Schulze diesen Aspekt der Technik ausprobieren. Zudem war es ein Sicherheitsaspekt, um, im Fall der Fälle eben doch noch über eine Ampelkreuzung zu kommen. Die Zulassung des zweiten Elektro-Trabants mit all seinen Modifikationen war im wiedervereinigten Deutschland genauso eine große Hürde wie vor der Wende, nun jedoch aufgrund der strikteren technischen Richtlinien und nicht aufgrund der Beschaffungsproblematiken.

Solarzellen auf der Motorhaube und dem Dach
Solarzellen auf der Motorhaube und dem Dach

Besitzerwechsel und Eingang in das Museum 

Mit steigendem Alter und nachlassender Gesundheit fand sich 2013 ein Nachbar, der heute selbst im Bereich von Elektrofahrzeugen tätig ist und dieses Einzelstück übernommen hat. Das Verkehrsmuseum Dresden kam auf die Spur des Dresdner Elektro-Trabant von Dr. Dieter Schulze über eine Führung, an der die Witwe von Dr. Schulze teilnahm und konnte daraufhin den Kontakt zu dem vorherigen Besitzer aufnehmen, der uns dieses gar nicht gruselige, sondern sehr faszinierende Objekt überlassen hat. An diese Stelle möchten wir uns noch einmal herzlich bei allen Beteiligten bedanken!


Alles Wissenwertes zum Elektro-Trabant findet ihr im "Besser Wissen Podcast" auf Golem.de.

Autor:in

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Maria Niklaus

Ich bin seit September 2022 Kustodin für Luftfahrt und Straßenverkehr. Bevor ich das Team des Verkehrsmuseums Dresden verstärkte, war ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Stuttgart tätig. Zu meinen Projekten zählten dort u.a. die Erforschung einer technischen Sammlung sowie diverse Lehrveranstaltungen und Ausstellungen. Ich habe Technikgeschichte und Maschinenbau in Stuttgart, Berlin und Toronto studiert. Wenn ich in meiner Freizeit nicht gerade an meiner Dissertation zu den Hintergründen von Kreiselinstrumenten in der Luft- und Raumfahrttechnik forsche, fliege ich am liebsten mit historischen Segelflugzeugen.

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