Das Restaurierungsprojekt NSU-Fiat 1100 (Baujahr 1938) - Zustandsanalyse (2/3)

Foto Dr. Thomas Eisentraut

Dr. Thomas Eisentraut
Abteilungsleiter
Sammlungen/Ausstellungen

Im Folgenden werden die verschiedenen Baugruppen näher vorgestellt, die im Zuge des Restaurierungsprojektes angefasst und bearbeitet wurden. Allen voran der Rahmen, gefolgt vom Motor und Getriebe sowie den Karosserieteilen.

Neuer Rahmen vom Simca 5, Juni 2018
Neuer Rahmen vom Simca 5, Juni 2018

Rahmen

Die Prüfung und Vermessung des originalen Rahmens brachte zu Tage, dass dieser verzogen war. Ein Einsatz im Straßenbetrieb somit ausgeschlossen. Glücklicherweise konnte ein baugleicher Rahmen von einem Simca 5 erworben und verbaut werden.

Beifahrertür aus Blech mit „Innenleben“ zur Bedienung der Seitenscheibe, Juni 2018
Beifahrertür aus Blech mit „Innenleben“ zur Bedienung der Seitenscheibe, Juni 2018

Zugleich zeigte sich, dass die beiden Fahrzeugtüren unterschiedlicher Machart waren. Während die rechte Seite über eine Blechverkleidung verfügte, bestand die linke Tür aus einer massiven Holzkonstruktion. Unklar ist, wann welche Tür ausgetauscht wurde. Fabrikate der Firma Gläser verwendeten für gewöhnlich die gewichtsleichtere Ausführung aus Blech, anstelle der Holzbauten.

Ansicht des Motors im unbearbeiteten Zustand, August 2018
Ansicht des Motors im unbearbeiteten Zustand, August 2018

Motor und Getriebe

Der Motor wies äußerlich starke Gebrauchsspuren auf. Da unklar war, ob der Motor funktionsfähig ist, wurde dieser zu einer auf Motoreninstandsetzung spezialisierten Firma gebracht. Nach eingehender Prüfung und Kompressionsprüfung, zeigte sich, dass die Kurbelwelle stark abgenutzt und auch eine der Zylinderlaufbuchsen brüchig war, sodass eine Überholung des gesamten Motors notwendig war. Die Arbeiten wurden aus Kostengründen nicht durchgeführt, nachdem klar war, dass der Wagen nicht für die Straße, sondern Ausstellungszwecke hergerichtet werden würde. Es folgte eine optische Aufarbeitung, inkl. Lackierung des Motors.

Geöffnete rechte Motorhaube, gut zu erkennen ist der Luftfilter, Juni 2018
Geöffnete rechte Motorhaube, gut zu erkennen ist der Luftfilter, Juni 2018
Geöffnete linke Motorhaube, gut zu erkennen ist der Zündverteiler, Juni 2018
Geöffnete linke Motorhaube, gut zu erkennen ist der Zündverteiler, Juni 2018
Was ist ein Stellmacher?

Ein Handwerker, der Räder oder ganze Wagen aus Holz herstellt.

Karosserie – Holzarbeiten

Auch die hölzerne Karosserie benötigte altersbedingt eine Aufarbeitung. Hierfür wurde das Fahrzeug zum Stellmacher gebracht, der sämtliche verbauten Holzkonstruktionen prüfte. Es zeigte sich, dass das rund 80 Jahre alte Material ebenfalls nicht für den Straßeneinsatz genutzt werden konnte. Es war brüchig und durch Nässe stark angegriffen. Somit blieb nur ein vollständiger Neubau der Holzkonstruktion übrig.

Detailansicht der Unterkonstruktion des sogenannten „Schwiegermuttersitzes“ (klappbarer Notsitz), Juni 2019
Detailansicht der Unterkonstruktion des sogenannten „Schwiegermuttersitzes“ (klappbarer Notsitz), Juni 2019

Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die originalgetreue Rekonstruktion des hinteren Notsitzes, dem sogenannten „Schwiegermuttersitz“ gelegt.

Karosserie – Blecharbeiten

Lange Zeit war unklar, wie aufwendig die Blecharbeiten am NSU-Fiat sein würden. Nachdem ein Kostenangebot eingeholt worden war, zeigte sich, dass diese Arbeiten mit den aktuell verfügbaren Finanzmitteln nicht zu realisieren und zudem auch länger als geplant dauern würden.

Es wurden daher alternative Angebote für eine Teilrestaurierung in Form eines Schnittmodells eingeholt. Dabei sollte die rechte Fahrzeughälfte, die insgesamt über eine bessere Grundsubstanz verfügte, restauriert und wiederhergestellt werden. Die größeren Schadstellen insbesondere an den beiden Kotflügeln wurden entfernt und durch neues Blech ersetzt. Jedes der Blechteile musste dabei von Hand geformt werden. Zuletzt wurden auf dem Blech die verchromten Zierleisten angebracht.

Demontierte Kotflügel, Juni 2018
Demontierte Kotflügel, Juni 2018
Heckansicht des Schnittmodells, August 2023
Heckansicht des Schnittmodells, August 2023

Autor:in

Foto Dr. Thomas Eisentraut

Dr. Thomas Eisentraut

Ich habe Geschichte und Skandinavistik an den Universitäten Greifswald und Kiel studiert und war im Anschluss als Kurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Museum (Berlin) und dem Deutschen Museum (München) tätig. In meiner Freizeit fahre ich gerne Motorrad und liebe das Kochen und Backen.

Beitrag kommentieren:

Wir bitten dich um eine respektvolle Kommunikation. Dein Beitrag wird erst nach einer Prüfung freigeschaltet.

Was ist die Summe aus 7 und 2?

* Pflichtfeld

Artikel liken

Wir nutzen Cookies auf dieser Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website zu verbessern und Ihnen den maximalen Komfort anzubieten. Ausführliche Erklärungen zu den eingesetzten Techniken, Partnern und den Rechtsgrundlagen für die Verarbeitungen finden Sie in unserer Datenschutzhinweise. Für den vollen Umfang unseres Internetangebotes klicken Sie bitte auf „Akzeptieren“.

Akzeptieren