Vekehrsgeschichte angeklebt (2/3)

Foto Ulrike Krautz

Ulrike Krautz
Verkehrsgeschichtliche Dokumentation
Dokumenten-, Foto- und Sondersammlungen

Geschichten aus 66 Jahren Sammlung Straßen- und Werbeblätter – die Plakatsammlung im Verkehrsmuseum Dresden

Willkommen, zum zweiten Teil meines Themas „Plakate im Verkehrsmuseum Dresden“. Weiter geht es immer noch mit Hintergründen zur Entstehung einer Sammlung - also nach wie vor zur Frage - wie kommen die Blätter in die Sammlung? Was erzählen sie uns?

Die Pioniere der Luftschiffahrt, 1909. Zusammengestellt von H. Moedebeck, Gustav Eyb-Kunstverlag Stuttgart
Die Pioniere der Luftschiffahrt, 1909. Zusammengestellt von H. Moedebeck, Gustav Eyb-Kunstverlag Stuttgart (© Gustav Eyb-Kunstverlag Stuttgart)

Zur Luftschifffahrt

Ein wunderbares Blatt „Pioniere der Luftschifffahrt“ von 1909 mit vielen dokumentarischen und historischen Informationen möchte ich zuerst vorstellen Dieses stammt wieder aus einem Nachlass, der 1970 in das Verkehrsmuseum gekommen ist.

Das einzige Plakat im Nachlass von Hermann Wilhelm Moedebeck gleicht einem Geschichtsbuch – über 200 Jahre internationale Luftfahrtgeschichte auf einem Blatt. Zusehen sind Abbildungen verschiedener Ballons und Luftschiffe, umrahmt von 39 Porträts der damaligen Pioniere und Unterstützer der Luftfahrt. Dazu gehören u.a. Santos-Dumont, Tissandier, von Tschudi, Parseval, Zeppelin aber auch Kaiser Wilhelm II, um nur einige herauszugreifen. Im Textteil lesen wir Ihre Kurzbiografien, ebenso Beschreibungen zu den dargestellten Luftfahrzeugen und Apparaten.

Erinnert wird an die ersten Projekte beispielsweise ein mit einem Segel bespanntes  Flugschiff, Francesco Lanas Projekt von 1692, Italien. Bekannter aus der Frühzeit der Entwicklung ist der Ballon der Gebrüder Montgolfier (1786, Frankreich). Das erste lenkbare Luftschiff der USA ist ebenfalls zu sehen - das Amerikanische Baldwin‘sche Luftschiff. Nicht zuletzt natürlich auch ein Zeppelin - Luftschiff.

Unter den Porträts der Erfinder und Förderer findet sich auch das Konterfei Hermann Moedebecks selbst. Er hat das Blatt herausgegeben und sich in unterster Reihe mit porträtiert (vierter von rechts). Er gilt heute als Persönlichkeit mit Verdiensten zur Förderung der internationalen Luftschifffahrt um die Jahrhundertwende. Sein schriftlicher Austausch mit vielen auf dem Plakat zu findenden Pionieren gehört zum Nachlass. Erhalten sind originale Briefe, Fotografien und Dokumente, die man sich schrieb und zuschickte. Diese wurden zusammen mit dem Plakat in einer Publikation des Verkehrsmuseums veröffentlicht.

Buchcover: „Ein Leben für die Luftfahrt – Hermann Wilhelm Ludwig Moedebeck (1857 – 1910)“, Veröffentlichung Verkehrsmuseum Dresden, Götz Ulrich Penzel
Buchcover: „Ein Leben für die Luftfahrt – Hermann Wilhelm Ludwig Moedebeck (1857 – 1910)“, Veröffentlichung Verkehrsmuseum Dresden, Götz Ulrich Penzel
Seite 55 „Ein Leben für die Luftfahrt – Hermann Wilhelm Ludwig Moedebeck (1857 – 1910)“, 2019
Seite 55 „Ein Leben für die Luftfahrt – Hermann Wilhelm Ludwig Moedebeck (1857 – 1910)“, 2019

Auf Grund des Zustandes und der Einzigartigkeit des 1909 herausgegebenen Plakates wurde das Original in den 1980er Jahren restauriert und als Reprint nachgedruckt. Die interessanten Darstellungen der Luftfahrzeuge und Porträts um 1900 sind oft Anlass, das Blatt auszuleihen und zu reproduzieren.

Seite 55 Hamburg-Amerika Linie, Vergnügungsreisen zur See, um 1910. Nachdruck um 1983
Seite 55 Hamburg-Amerika Linie, Vergnügungsreisen zur See, um 1910. Nachdruck um 1983

Zur Hochseeschifffahrt

Ein weiterer Aspekt der Dokumentation der Mobilität in Plakataussagen.

Besonderer Sammlungszuwachs kam mit einem Konvolut zum „Untergang der Titanic“ in das Haus, 2004. Der Luxusdampfer „Titanic“, bei Stapellauf 1912 das größte Schiff der Welt, sank 1912 und ein privater Sammler war in den 1990er Jahren bis 2004 so fasziniert vom Thema, das er Schätze an Dokumenten zusammentrug. Es geht um versunkene Schiffe, Schiffskatastrohen, Unfälle, Seenot, Innenausstattung damaliger Luxusliner, Menükarten und vieles mehr zur Zeit der „Titanic“. Inhalt sind Dokumente über Bergungsroboter späterer Tauchvorhaben zur Bergung des Wracks.

Dazu gehörig Werbeplakate von Reedereien und Reisewerbung für sogenannte Vergnügungsreisen, heute Kreuzfahrten genannt. Wenn auch nicht alles im Original nach Jahrzehnten zu bekommen war, versetzen uns die wunderschönen Nachdrucke in die Welt der Luxusreisen vor fast 100 Jahren.

Exponat Poster: Museumslokomotiven des Verkehrsmuseums Dresden, Tenderlokomotive BR95.6676 (Tierklasse) der ehemaligen Halberstadt – Blankenburger – Eisenbahn. Herausgeber Verkehrsmuseum Dresden, um 1979.
Exponat Poster: Museumslokomotiven des Verkehrsmuseums Dresden, Tenderlokomotive BR95.6676 (Tierklasse) der ehemaligen Halberstadt – Blankenburger – Eisenbahn. Herausgeber Verkehrsmuseum Dresden, um 1979.

Zu unserer Hausgeschichte

Sie ist sehr präsent in der Plakatsammlung. Eigenwerbung in Form von Plakatbekanntmachungen gibt es bis heute, natürlich aktuell unterstützt von Social-Media. Die in Papier bewahrten Werbeblätter der Plakatsammlung sind gleichzeitig eine Chronik der 70-jährigen Geschichte des Hauses. Dokumentiert sind hunderte von Ausstellungen, Sonderausstellungen, Veranstaltungen, Vorträge und Ereignisse. Auch Exponate wurden auf Poster gedruckt.

Werbeplakat für Trabant 601, VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau, Dewag Dresden 1972
Werbeplakat für Trabant 601, VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau, Dewag Dresden 1972 (© Dewag Dresden)

Im nächsten Jahr möchte ich weiter bei den großformatigen Dokumenten bleiben. Welche Themen interessieren und bestimmen die Sammlung? Und legen wir alle Sammelstücke nur in den Schrank?

Das als ein kleiner Vorgeschmack auf Kommendes und Nahendes – die Weihnachtszeit.

Wow - ein Elektroschlitten? Ein Bob?  Das Gefährt ist der Grund, warum dieses Plakat in der Sammlung des Verkehrsmuseum liegt. Definitiv ist darauf Platz für Geschenke. Mit diesem Werbemotiv der einstigen HO – dem Staatlichen Einzelhandel der DDR -- wünsche ich eine wunderschöne Weihnachtszeit.

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Foto Ulrike Krautz

Ulrike Krautz

Mein Name ist Ulrike Krautz. Wenn man wie ich privat gern sammelt – in meinem Fall Handtaschen und Bücher – ist es nicht ungewöhnlich, einen Beruf mit ähnlichem Schwerpunkt gewählt zu haben. Professionell Sammeln bedeutet, aber auch konservatorisch bewahren und Systeme schaffen, damit kein Sammelsurium entsteht.
Das ist meine Aufgabe im Verkehrsmuseum Dresden, in dem ich seit drei Jahrzehnten für die Verkehrsgeschichtliche Dokumentation papierne und fotografische Zeugnisse zur Verkehrsgeschichte zusammentrage.

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