Vekehrsgeschichte angeklebt (3/3)

Foto Ulrike Krautz

Ulrike Krautz
Verkehrsgeschichtliche Dokumentation
Dokumenten-, Foto- und Sondersammlungen

Warum kommen die Blätter in die Sammlung?

Geschichten aus 66 Jahren Sammlung Straßen- und Werbeblätter – die Plakatsammlung im Verkehrsmuseum Dresden

Willkommen zum dritten Teil „Plakate im Verkehrsmuseum Dresden“. Es soll wieder um Hintergründe gehen - wie ist die Sammlung entstanden? Warum kommen die Blätter in die Sammlung? Was erzählen sie uns?

Ein Verkehrsmuseum dokumentiert mit Originalen – in groß als Dampflokomotive oder in klein als Reklamesammelbild – die Geschichte der Mobilität auf der Straße, in der Luft, auf dem Wasser und auf der Schiene. Auch in Plakaten - einst als Informations- und Werbeanzeigen gedachte Blättern - stecken in Form von Bildern viele historische Informationen – kurz und knapp mitgeteilt oder in wunderbaren Bildgestaltungen für die Nachwelt festgehalten. Und bis heute als Informationsmedium genutzt.

Also -  was ist los auf der Straße? Damit beginne ich, denn die Verkehrsbereiche geben die Ordnung für die gesamte Sammlung vor, die mittlerweile fast 4.000 Blätter umfasst. Zunächst interessiert alles, was vier Räder hat. Die Zweiräder sind beim nächsten Plakatbummel dran.

Deutschland entdeckt seine Automuseen! Deutsche Museumsstraße, 2012
Deutschland entdeckt seine Automuseen! (© Deutsche Museumsstraße, 2012)

Einige Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde man sich bewusst, wie viele Auto – Motorrad - und Mobiltechnik -  Sammlungen und Museen es in ganz Deutschland gab. Gleich zu Beginn der 1990er Jahre gründete sich der Verband „Deutsche Museumsstraße“ und erstellt 2012 diese Übersicht zur Unterstützung der Automobilmuseen. Über 200 Museen sind auf der Karte eingetragen, bereit für Besucher. Das Blatt ist ein historisches Dokument der Museumslandschaft 2012 zum Thema museale Kraftfahrzeuge und Oldtimer, auch der Verband existierte nur bis 2022.

Automobil- ,Nutzfahrzeugmuseen und Vereine in Deutschland und weltweit sind mit ihrer Werbung und Ausstellungsankündigung auf Plakaten eine interessante Rubrik unserer Sammlung, darunter auch überraschende Sammlungen.

Zum Zentrum für Außergewöhnliche Museen in München zählen sieben Museen, u.a. das  „Nachttopfmuseum“ oder das „Sisi Museum“ – unser Interesse gilt natürlich der Sammlung  „Erstes Tretautomuseum der Welt“. Die Sammlung ist 1993 zu Gast im Verkehrsmuseum Dresden und wird als Sonderausstellung gezeigt.

Zentrum für Außergewöhnliche Museen. München, 1993.
Zentrum für Außergewöhnliche Museen. München, 1993.
Im Verkehrsmuseum zu Gast. Sonderausstellung Tretautomobile - 1. Tretautomuseum der Welt vom 27.11.1993 - 27.02.1994.
Im Verkehrsmuseum zu Gast. Sonderausstellung Tretautomobile - 1. Tretautomuseum der Welt vom 27.11.1993 - 27.02.1994.
Andy Warhol Cars - Plakat zur Ausstellung im Solomon R. Guggenheim Museums New York. September-November 1988 (Original 1986 für Daimler Kunstsammlung)
Andy Warhol Cars - Plakat zur Ausstellung im Solomon R. Guggenheim Museums New York. September-November 1988 (Original 1986 für Daimler Kunstsammlung)

Ein großer Teil der Plakate sind natürlich die Blätter zur Fahrzeugwerbung von Automobil- und Nutzfahrzeugherstellern, d.h. abgebildet sind PKW, LKW, Busse, Kleintransporter, Spezialfahrzeuge wie Müllwagen, Feuerwehren, Kranwagen. Auch Informationen zu den   Designern der Fahrzeuge oder zu Fahrzeugteilen erhalten wir über die großformatigen Anzeigen.

100 Jahre Fahrzeugbau in Zittau, 1888 - 1988, Phänomenwerke
Firmenjubiläum der Phänomenwerke, 1988

Firmenjubiläen sind oft Anlass, zu zeigen was man erreicht hat. Die Firma Phänomen - 1888 von Karl Gustav Hiller Zittau gegründet, später Phänomenwerke, wird 1988 100 Jahre alt. Das dreirädrige Phänomobil, Busse oder der unter dem Namen „Granit“ bekannte LKW sind der Stolz der Entwicklung und Herstellung, später als Robur-Werke Zittau bekannt.

Sächsisches Industriemuseum, Industriemuseum Chemnitz, Claus Dietel Fahrzeugformen, 14.11.2004 - 23.01.2005
Sächsisches Industriemuseum, Industriemuseum Chemnitz, Claus Dietel Fahrzeugformen, 14.11.2004 - 23.01.2005

Der Designer Clauss Dietel (1934 – 2022), maßgeblich am Design des PKW Wartburg 353 der DDR beteiligt, wird im Chemnitz 1995 in einer Ausstellung im Industriemuseum gewürdigt.

Eine weitere Rubrik der plakativen historischen Dokumentation der Geschichte des Straßenverkehrs sind Plakate zu Veranstaltungen, Fahrzeugausstellungen und Messen.

Eine Besonderheit in Berlin 1950. Internationale Automobilausstellungen fanden bis zu Beginn des zweiten Weltkrieges in Berlin statt.  Nach dem Krieg gab es in Berlin erstmals wieder 1950 eine erste internationale Autoschau, hier im Plakat mit dem Berliner Bär als Werbefigur. Sie wurde später nachträglich als 33. IAA gezählt. Die 34. Internationale Automobilausstellung und folgende fanden dann in Frankfurt statt. Heute sind die Mobility Ausstellungen bereits umstritten. Die Umweltschädlichkeit der Mobilität mit Verbrennermotoren rücken immer mehr in den Fokus bei der Entwicklung von Zukunftsperpektiven. 2023 fehlten auf der Messe in München schon viele bekannte Hersteller.

Berlin hatte seine eigenen viel beachteten Autoshows.

Autoschau in Berlin 1950, vom 27. Mai bis 4. Juni
Autoschau in Berlin 1950, vom 27. Mai bis 4. Juni, die 33. IAA (Internationale Automobilausstellung)
Messe Berlin, Showtime, 17. - 25. Oktober 1988, täglich von 9:00 - 18:00 Uhr, Messeglände Berlin
Messe Berlin, Showtime, Plakat von 1988
Rauche nicht am Führersitz! Halte beide Hände am Steuer!, 1931
Rauche nicht am Führersitz! Halte beide Hände am Steuer!, 1931

„Halte beide Hände am Steuer …“, dieses Blatt von 1931 ist ein Geschenk des Stadtmuseums Dresden und seit 1989 im Bestand als ein Dokument zum Thema Verkehrssicherheit auf der Straße.

Auch Aufrufe wie „Augen auf im Straßenverkehr“, „Streue rechtzeitig“, „Straßen sind keine Rodelbahn“, „Rücksichtsvoll und ohne Risiko überholen“ sind Slogans, die bis heute gelten und als Aushang zu gegenseitiger Hilfe und Wachsamkeit aufrufen.

Für Unfug ist kein Platz im Winter: Verhütet Unfälle - Belehrt die Kinder!, 1953
Für Unfug ist kein Platz im Winter: Verhütet Unfälle - Belehrt die Kinder!, 1953
Hallo Kids! Ich helfe euch, aber ihr könnt mithelfen Augen auf im Verkehr! Plakat mit Poldi dem Polizeidinosaurier
Hallo Kids! Ich helfe euch, aber ihr könnt mithelfen Augen auf im Verkehr! Plakat mit Poldi dem Polizeidinosaurier
80 Jahre Autobahnspinne, Jubiläumsläufe für Motrorräder und Wagenn in Dresden - Weixdorf / Sachsen, 1951 - 2011, Rundkurs Alte Moritzburgerstr., 30.4. /1.5.2011
80 Jahre Autobahnspinne, Jubiläumsläufe für Motrorräder und Wagenn in Dresden - Weixdorf / Sachsen, 1951 - 2011, Rundkurs Alte Moritzburgerstr., 30.4. /1.5.2011

Straßenfahrzeuge sind nicht nur als Mobilitätsgarant interessant. Seit der Erfindung des Automobils gibt es den Motorsport und damit auch Werbeanzeigen zu diesen Ereignissen. Bis heute werden die Strecken, Veranstaltungen, die Fahrer und Fahrzeuge umfangreich beworben.

Rallye Paris - Dakar, um 1990
Rallye Paris - Dakar, um 1990

Es heißt in der Werbung auf der Internetseite der 2024 - Rallye: „[…] Sie gilt als eines der härtesten Rennen im Rallye-Kalender: Die Dakar. Mensch und Maschine bewegen sich hier permanent im roten Bereich. Extreme sind bei der Dakar keine Ausnahmen, sondern die Regel. Das soll auch 2023 so sein, die zum vierten Mal in Saudi-Arabien stattfindet. Rund 5.000 Wettbewerbs-Kilometer müssen dabei überwunden werden, die alles andere als eine gemütliche Spazierfahrt […]“.

Zur Weltmeisterschaft 1998 gratuliert Mobil Mikka Häkkinen und West McLaren Mercedes.
Zur Weltmeisterschaft 1998 gratuliert Mobil Mikka Häkkinen und West McLaren Mercedes.

Formel 1 Werbeplakat  1998, mit dem Konterfei des jungen Finnen Mika Häkkinen, neben Michael Schumacher bis in 1990er Jahre einer der erfolgreichsten Rennfahrer seiner Zeit.

Unter dem Motto "Auto-Mobility 2000-2010" fand ein internationaler Wettbewerb zum Auto-Design im nächsten Jahrtausend statt. Bedinung: Alle Modelle mussten aus Legosteinen realisiert werden! Die aufsehenerregenden Zukunftsmodelle werden jetzt ausgestellt
Unter dem Motto "Auto-Mobility 2000-2010" fand ein internationaler Wettbewerb zum Auto-Design im nächsten Jahrtausend statt. Bedinung: Alle Modelle mussten aus Legosteinen realisiert werden! Die aufsehenerregenden Zukunftsmodelle werden jetzt ausgestellt, 1993

Aber nicht nur der Sport ist faszinierend, auch der Modellbau zu Fahrzeugen der Straße als  Hobby hat eine große Fangemeinde.

Laster und Busse en miniature, Sonderausstellung im Verkehrsmuseum, 28.11.2001 - 24.02.2002
Laster und Busse en miniature, Sonderausstellung im Verkehrsmuseum, 28.11.2001 - 24.02.2002

Das Verkehrsmuseum Dresden verfügt ebenfalls über eine umfangreiche Modellsammlung. 1987 konnte eine Modellautosammlung zu Bussen und Lastkraftwagen erworben werden, diese Präsentation wird im Plakat angezeigt.

Damit sind wir bei den Anzeigen der eigenen Sonder- und Dauerausstellungen sowie Gastausstellungen im Verkehrsmuseum, die natürlich in der Sammlung nicht fehlen. Reisen mit der Kutsche oder zu Pferd als ursprüngliche Fortbewegungsform waren Themen ebenso „Zu Fuß unterwegs“.

Flugplatzverein Lindenthal Leipzig, 1. Osterfeiertag Eröffnungsfliegen
Flugplatzverein Lindenthal Leipzig, 1. Osterfeiertag Eröffnungsfliegen

Mit dieser schon zum Luftverkehr gehörenden Aufforderung und Ankündigung ist nach den Zweirädern das nächste Thema der Folge Plakatsammlung genannt.

Zum bevorstehenden Osterfest wünsche ich schöne Tage. Und bitte nicht nach Leipzig Lindenthal fahren, Sie kommen 113 Jahre zu spät. Die Eröffnung des Flugplatzes war zu Ostern 1911.


Die Abbildungen zeigen viele Arbeits- und Ansichtsfotos mit Lichtreflexen und schrägen Kanten. Die Digitalisierung eines großen Blattes ist im Museum selbst nicht möglich. Aufgrund der Kosten kann die professionelle Digitalisierung der Plakate nur Schritt für Schritt erfolgen.

Autor:in

Foto Ulrike Krautz

Ulrike Krautz

Mein Name ist Ulrike Krautz. Wenn man wie ich privat gern sammelt – in meinem Fall Handtaschen und Bücher – ist es nicht ungewöhnlich, einen Beruf mit ähnlichem Schwerpunkt gewählt zu haben. Professionell Sammeln bedeutet, aber auch konservatorisch bewahren und Systeme schaffen, damit kein Sammelsurium entsteht.
Das ist meine Aufgabe im Verkehrsmuseum Dresden, in dem ich seit drei Jahrzehnten für die Verkehrsgeschichtliche Dokumentation papierne und fotografische Zeugnisse zur Verkehrsgeschichte zusammentrage.

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